Gespielte Stücke der Worschdezibbel

1989 - Das rotseidene Hösel

Von: Josef Zeitler
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Die Theatergruppe des Venninger Heimatvereins seit Jahren für Ihre hervorragenden Leistungen landauf, landab bestens bekannt hat sich mit der diesjährigen Aufführung des Drei-Akter-Bauernschwanks „Das rotseidene Hösel“ von Josef Zeitler selbst übertroffen und in acht ausverkauften Abendvorstellungen und einer Nachmittagsvorstellung im Venninger Pfarrzentrum Einheimischen wie Auswärtigen unvergesslich schöne Stunden bereitet. Alle Laienspielern gebührt ein herzliches Dankeschön denn Sie mimen ohne Gage und stehen im Dienste Brauchtums

Zum Auftakt orgelte der Vorsitzende des Heimatvereins, Roland Kuhn, den Leierkasten. Mit seinem doppelsinnigen Liedtext zur Begrüßung hatte er die Lacher sofort auf seiner Seite.
Verwicklungen und Verstrickungen waren angesagt, dass dörfliche Idyll wurde durch ein kleines, rotseidenes Hösel mächtig gestört, denn das Leben und Treiben auf den Leitner-Hof, einem Bauern-und Gasthof, entwickelte sich zu Turbulenzen mit urkomischen Situationen, gespickt mit raffinierte Bauernschläue, ländlicher Derbheit und gekonnter Mimik.

Das burschikose Fräulein Liesl Schneider, überzeugend dargestellt von Waltraud Bischoff, konnte sich dem aufdringlichen Werben eines hochgestochenen Assessors – von Roland Krakehl gekonnt in Szene gesetzt – nur mühsam erwehren, sie tendierte zu Franzl, dem unkomplizierten Sohn des Leitner Bauern und Gasthofbesitzers (Norbert Hund und Werner Sebastian beherrschten Ihre Rollen großartig).

Die mannestolle Ursel, tölpelhafte Magd am Leitner-Hof, die Jutta Lutz auffallend stark verkörperte und Beifall auf offener Szene erhielt, setzte mit dem von Fräulein Schneider eigenmächtig entliehenen, neckischen rotseidenen Hösel eine ungeahnte Verdächtigungswelle in Gang, sie hatte ihrem heimlichen Verehrer Leo, dem Knecht am Leitner-Hof (von Markus Dehm, einem einfallsreichen Komiker und echten Naturtalent, grandios gespielt) das rotseidene Hösel als Muster überlassen.

Dieser wusste das Verräterische Objekt nicht wegzukriegen und steckte es verstohlen in die Jackentasche des alten Leitner-Bauern Schorsch, der auf seine Weise für weitere Peinlichkeiten sorgte. Jürgen Jung hatte diese ihm auf den Leib geschnittene bravourös gemeistert.

Wohl am treffendsten überzeugte Margarethe Thomas in der Rolle der alles beherrschenden Bäuerin Hilde Leitner. Sie offenbarte urwüchsige Pfälzer Eigenart im Umgang mit den übrigen Figuren, schien alles zu durchschauen und verschaffte sich Respekt in jeder Situation.

Daß das rotseidene Hösel auch in die Rocktasche des Pfarrherrn geriet, verursachte immer wieder neue Verwirrung und Verdachtsmomente. Den Part des Pfarrherrn hatte Wolfgang Bauer übernommen und in „Don-Camilo-Manier“ und einer umwerfenden Mimik diese Figur lebensecht gestaltet.

Zuguterletzt wurde das Geheimnis des rotseidenen Hösel zum Guten wendend gelüftet und die Harmlosigkeit der Gesamtsituation herausgestellt, wobei Professor Dr. juris. Urban Garaus und seine linkische Tochter Meta für das Gesamtspiel eine wertvolle Bereicherung waren.

Rainer Nuber durfte ein besonderes schauspielerisches Talent haben, er lässt zuweilen auch eigene Gedanken ins Spiel einfließen, Kraftvoll in der Sprache und verblüffend im Ausdruck. Lissi Pfaff glänzte in der sicherlich nicht einfachen Charakterrolle der Professorentochter Meta Garaus.

Mann muss der gesamten Theatergruppe – einschl. der verantwortlichen hinter den Kulissen – hohes Lob und Anerkennung Mechthilde Reither, Verantwortlich für Regie und Bühnebild und unterstützt von Christel Anton als Souffleuse, hatte mit dieser Inszenierung eine sehr glückliche Hand.