2004 - S'verflixte Klassetreffe

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DIE RHEINPFALZ ist an allem schuld. Hätte die nicht die höchst überflüssige Meldung vom Klassentreffen in Annweiler gebracht, hätte sich Franz-Josef beim (Kater-) Frühstück nicht darüber aufregen und der holden Gattin Amanda den Floh ins Ohr setzen müssen, nach 30 Jahren auch in Venningen mal ein Klassentreffen zu veranstalten.

Das eigentliche Treffen der ehemaligen Klassenkameraden bekommen die Zuschauer gar nicht mit, doch die Vorbereitungen dazu verlaufen turbulent genug. Arnanda und ihre Freundin Franziska sind sehr gespannt auf den einst nach Amerika ausgewanderten Freund Johannes, Franz-Josef will vor allem auf keinen Fall. die ebenfalls
spurlos verschwundene Elisabeth wiedersehen. Denn er hält sich für den Vater ihrer Tochter für die er seit 23 Jahren über Franziskas Gatten Anton Alimente zahlt. Doch der jugendliche Fehltritt lässt sich natürlich auf Dauer nicht verheimlichen, es kommt, wie es kommen muss: Die ganze Chose wird aufgedeckt - und dann ist doch alles zur Erheiterung des Publikums ganz anders als zunächst angenommen.

Mit viel Witz und Tempo hat die Theatergruppe des Venninger Heimatvereins, die „Worschdezippel“, das Verflixte Klassetreffe“ von Regina Rösch auf die Bühne im Pfarrzentrum gebracht. Wenn der Dreiakter viel leicht auch ein paar Längen hat immerhin ging die Vorstellungerst gegen halb zwölf zu Ende. so versetzte er dank oft recht drastischer Witze und herrlicher Verwicklungen die Premierengäste in Begeisterung. Als Bühnenbild hatten die fleißigen „Worschdezippel“ eine ländlich-bürgerliche Wohnstube geschaffen, in der der altmodische Kuhlschrank mit den abgerundeten Ecken wunderschön mit dem Röhrenradio auf dem geschnitzten Küchenschrank korrespondierte Passend zur Wachstuchdecke auf dem Küchentisch und der gehäkelten Decke auf dem Sofa präsentierten die Hauptdarstellerinnen eine betörende Kollektion ‘ an hinreißend-scheußlichen Kittelschürzen, während die Herren der Schöpfung in wenig aufregen dem Blaumann und Jogging Anzug agierten bis man sah, was Franz Josef unter dem Sportanzug trug.

Die Rollen waren wieder einmal perfekt besetzt: Werner Sebastian als schnapsliebender Landwirt Franz-Josef hatte viel Mühe, seiner resoluten Ehefrau Amanda (der souveränen Waltraud Bischoff) etwas vorzuflunkern. Seinem Freund Anton Gierig, der seinem Namen zu Recht trägt, gab Wolfgang Dietl herrlich schleimige Züge. Jutta Lutz als seine Frau Franziska, der eigentlich abstinente Postbote Ferdinand Specht (Jürgen Leibfried und seine Frau Paula (Margarethe Thomas) sorgten als routinierte Schauspieler für viel Vergnügen beim Publikum. Sehr viele Lacher auf ihrer Seite hatten auch Jürgen Jung als knurriger Opa Holzmeier und Thorsten Bischoff als jugendlicher Held, der sich in die vermeintliche Stiefschwester, die kesse Jenny (Silvia Geiger verliebt. Deren Eltern (Michael Seckinger und Birgit Lutz gaben den „Amerikanern“ exotisches Flair) sorgten am Ende dafür, dass das Klassentreffen darin doch noch über die Bühne gehen konnte.

2003 - S'Gedankeloch

Einen verheißungsvollen Vorgeschmack von dem, was die Theaterbesucher an zehn Terminen im „Venninger Schauspielhaus“ erwartet, bot die Generalprobe des dreiteiligen Schwanks „‘s Gedankeloch“ (von Bernd Gombold).

Schauplatz war eine Amtsstube von anno dazumal. Verantwortlich am „Set“: Leierkastenmann Roland Kuhn (und Regie), Inge Sebastian (Souffleuse), die „weiblichen Worschdezibbel“ (Maske), die fleißigen Worschdezibbel“ (Bühnenbild) und Jürgen Jung (Gesamtleitung).

Zum Inhalt:
Ein Bürgermeister wie Franz Kübel (Werner Sebastian) hat‘s schwer, es allen recht zu machen. Und der ständig schnäpselnde Amtsdiener Sepp Hotte (Wolfgang Dieti) trägt auch nicht gerade zur Erleichterung bei.
Sekretärin Hannelore Stift (Silvia Geiger) hat sich der Avancen des lispelnden Professors Dr. Gottlieb Schippenstein (Thorsten Bischoff) zu erwehren, der bei den Kübels seinen Urlaub zu verbringen pflegt.
Sie ist allerdings eine, die trefflich inszenieren kann, hinterhältig Fäden spinnt, einen geharnischten Ehekrach auslösend. Die Pillen, die sie ihrem Chef bei Unwohlsein verabreicht, haben es in sich.
Als hätte die dreiköpfige dörfliche Kommandozentrale nichts anderes zu tun, als sich um die Beschwerden von Ludwiga von Silberstein und ihrem erschreckend unterwürfigen Heinz-Harald (Waltraud. Bischoff und Jürgen Jung) zu kümmern: Deren verwöhntes Schoßhündchen Nofretete ist allergisch gegen Glockengeläut, Chorproben und Hahnengekrähe. Wenn das streitbare Ehepaar im Rathaus aufkreuzt, ist Feuer unterm Dach.
Amntsbüttel Sep ist der perfekte Architekt von Lügengebädde, zumal er für jede gezielt gestreute Neuigkeit mit einem Obstwässerchen von Ladenbesitzerin Emma Mehistaub (Margarethe Thomas) belohnt wird. Anton Hasenklang (Michael Seckinger) ‚ in diversen Vereinen an maßgeblicher Stelle, ein Duz- und Saufkumpel von Bürgermeister Kübel, trifft‘s mit den Beschwerden der Neubürger von Silberstein knüppeldick schließlich vertritt er die Interessen des Hahnenzuch und Gesangvereins.
Vielleicht kann „‘s Gedankenloch‘ zum Guten wenden, in welches selbiger fiel nach einer Zechtour auf dem Nachhauseweg. Dessen Angetraute Helene (Jutta Lutz), im Strudel der Turbulenzen um ihre bessere Hälfte ohnehin nervlich am Ende und ansonsten knapp bei Kasse gehalten sieht sich mittlerweile unfreiwillig mit einer Konkurrentin konfrontiert, der Rosaline Schneckenberger (Birgit Lutz). Über eine Heiratsannoncen Schiene (gelegt von Hannelore) hat die sich in den Franz verguckt, obwohl Gemeindediener Sepp für diesen Spuk geopfert werden sollte. Das Wiedererwachen aus dem Gedankeloch“ bringt schließlich die Wende

1988 - Der doppelte Bräutigam

Auch dieses Jahr bewiesen die Venninger „Worschdezibbel“, dass sie auf den „Brettern die die Welt bedeuten“( wenn auch nur nach Feierabend ) keine unbedarften Grünschnäbel sind. Mit dem Schwank „Der doppelte Bräutigam“ entlockten sie dem Publikum Lachsalven und stürmischen Applaus. Insgesamt etwa 2200 Besucher fanden sich zu den acht Veranstaltungen der Theatergruppe des Heimatvereins im Pfarrzentrum ein, eine beachtliche Zahl für ein Dorf mit rund 900 Einwohnern!. Und sie kamen auf ihre Kosten. Witzige Dialoge, Pointen und schauspielerische Brillanz in urig Venninger Pfälzisch strapazierten das Zwerchfell jedes Theaterbesuchers. Komische Überzeichnung gelang bei der Titelfigur, „dem doppelten Bräutigam“ Anton Dorschdel (Rainer Nuber), der seinen Namen alle Ehre machte und dem „Dorschd“ mit Wein und Schnaps zuleibe rückte. Man sah’s ihm an – Rote „Knolle“ im Gesicht und das bei feuerrotem Haar und Bart.-bäääh!. Kaum zu glauben, das sich dennoch die Frauen (beziehungsweise Schwiegereltern) um ihn reißen. Als Untermieter bei Büttgenbachs (Margarethe Thomas und Wolfgang Bauer) ist er mit deren Tochter Irma (Mechthilde Anton) verlobt. Im Suff vergisst Anton Dorschdel, dass seine Vermieter (gerade heute) umgezogen sind und kehrt in die bisherige Behausung zurück. Dort wohnen aber nun die Todfeinde der Familie Büttgenbach, die Rübstiels (Lissi Pfaff und Werner Sebastian) mit ihrer Tochter Lotte (Waltraud Bischoff).
Die Rübstiels, neureiche Trampel, richen die Lunte denn Anton hat „Mäuse“, und zwingen den Unglücksraben, sich mit ihrer Tochter zu verloben. Lotte aber liebt (verbotenerweise) Erich, den Buchhalter ihres Vaters (Norbert Hund).
Anton ist nun als zweifacher Bräutigam ganz schön in der Klemme. Ständig im Kreuzfeuer und in der Gefahr, entlarvt zu werden, wendet er jede List an, sogar ein Duell mit sich selbst trägt er aus.

Die Bombe platzt bei der Verlobung. Beide Familien finden sich zur gleichen Zeit im selben Hotel ein. Die Situation spitzt sich zu, denn Anton kann nicht gleichzeitig mit zwei Mädchen Verlobung feiern. Zum Glück taucht nun Erich rechtzeitig auf, der ihm die Lotte „Abnimmt“. Dem Bauernschlauen Anton gelingt es, zum Schluss als feingewaschener Unschuldsengel dazustehen. Im Rahmen der Handlung verleihen auch die Nebenrollen dem Stück manchen zusätzlichen „Farbtupfer“. Da wäre Nettchen ( Jutta Lutz ) das von Amalie Büttgenbach engagierte Dienstmädchen. Als „Gänseblümchen“ sucht sie per Annonce einen Lebensgefährten. „Er“ heißt Herrmann ( Markus Dehm ), ist Zeitungsverkäufer und nicht sehr helle. Seine brieflich erkorene Herzensdame bezeichnet er als „Gänseblümchen von zwei Zentnern“ mit „einem Gesicht wie ein Schwartenmagen“ – und nimmt sie doch.
Auch ein distinguiert vornehmer Butler ( Roland Krakehl ) ist mit im Spiel, der , auf übertriebene Weise versucht, seinem Herrn Jeremias feine Manieren zu vermitteln. „Schang“ wird er in Original pfälzisch-fanzösisch genannt.
Hervorragend gespielt auch der Wirt ( Jürgen Jung ), der sich mit den Sonderwünschen tölpischer Gäste und der zweifachen Verlobungsgesellschaft herumschlagen muß.
Last but not least, Roland Kuhn zur Drehorgel-Begleitung bietet er mit „leierndem“ Sing-Sang vortrefflich den Prolog dar. Anschließend fungiert er als Möbelpacker.